IP-Adressen, Subnetze und Netzmasken
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Es gibt immer wieder fragende Gesichter wenn man von IP-Adressen spricht. Was bedeuten diese Zahlen eigentlich?
Bei jeder LAN-Party hat mindestens ein Teilnehmer Probleme mit IP-Adressen. Darum möchte ich hier einmal ein
wenig Licht ins Dunkel bringen.
Fangen wir doch einfach mal mit einer IP-Adresse an.
192.168.1.5
Was sagen uns nun diese Zahlen??
Wie man sieht, ist eine IP-Adresse aus einer Gruppe von vier Zahlen aufgebaut. Jede Zahl kann dabei zwischen
0 und 255 liegen. Im Binärsystem sind das 8 Bit. Das wird dann auch Oktett (octa = acht) genannt.
Die Zahlen werden dabei mit einem Punkt getrennt. Daraus ergeben sich 4.294.967.295 Adressen
( in Worten 4 Milliarden, 294 Millionen, 967 Tausend, 2 Hundert und 95 - boah! ).
Aber mit so viel Adressen kann man nichts anfangen, wenn man sie nicht irgendwie unterteilen kann.
Also hat man sich die Klassen ausgedacht. Class-A für große Netze, Class-B für mittlere
und Class-C für kleine Netze.
Die Klassen hat man mit den ersten Bits des ersten Oktetts auseinandergehalten.
| 1.. ( 1.Oktett ) ..8 |
( 2.Oktett ) ..16 |
( 3.Oktett ) ..24 |
( 4.Oktett ) ..32 |
<= Bits |
| 0.. |
|
|
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Class-A |
| 10.. |
|
|
|
Class-B |
| 110.. |
|
|
|
Class-C |
Netz-Anteil
Host-Anteil
Man kann diese Aufteilung mit einer Telefonnummer vergleichen. Der Netz-Anteil ist die Vorwahl für den Ort und
der Host-Anteil die Telefonnummer innerhalb des Ortsnetzes. Wie bei den Netzen, so gibt es auch bei den Orten
große und kleine ( Bückeburg = 5722 , Minden = 571 , München = 89 ).
Nun aber zurück zu unserer IP-Adresse. Zu welcher Klasse gehört die denn jetzt?
Zerlegen wir sie doch einfach mal in eine Binärzahl ...
| 192 |
168 |
1 |
5 |
Dezimal |
| 1100 0000 |
1010 1000 |
0000 0001 |
0000 0101 |
Binär |
Es handelt sich hier um eine Class-C IP-Adresse. Die ersten drei Zahlen gehören also zum Netz- (Vorwahl) und die
letzte Zahl zum Host-Anteil (Telefonnummer). Solange man also nur die letzte Zahl verändert, bleibt man in seinem
eigenen Netz. Aber was paßiert, wenn man eine der ersten drei Zahlen verändert? An dieser Stelle kommt nun
das Default Gateway ins Spiel.
Das Default Gateway kann man in etwa mit einer Autobahnauffahrt vergleichen. Über dieses Gateway kommt man in andere
Netze, so wie man über die Autobahnauffahrt in andere Orte kommt. Das Default Gateway liegt dabei immer im
eigenen Netz!! Was nutzt einem eine Autobahnauffahrt in Hamburg, wenn man in Hannover auf die Autobahn will?
Nun stellen wir uns vor, dieses Gateway hat die IP-Adresse 192.168.1.1 . Die meißten Router, die man für
den Internet-Zugang kaufen kann, haben diese IP-Adresse standardmäßig eingestellt. Das Default Gateway in
unserem Netz ist also unser Router zum Internet.
Jetzt kommt der nächste Schritt. Die Netzmaske.
Bei den Adressklassen gibt es feste Netzmasken. Sie geben an, welcher Teil Netz- und welcher Host-Anteil ist.
Darum jetzt eine kleine Tabelle:
| Class A : |
Netzadressbereich | : |
1.0.0.0 - 126.0.0.0 |
| |
verwendete Netzmaske | : |
/8 (255.0.0.0) |
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| |
126 Netze , 16.646.144 Hosts pro Netz |
| |
Privater Adressbereich | : |
10.0.0.0 - 10.255.255.255 |
| |
| |
/8 (255.0.0.0) |
| |
Localhost / Localnet | : |
127.0.0.1 / 127.0.0.0 /8 (255.0.0.0) |
| |
| |
/8 (255.0.0.0) |
|
| Class B : |
Netzadressbereich | : |
128.1.0.0 - 191.254.0.0 |
| |
verwendete Netzmaske | : |
/16 (255.255.0.0) |
| |
| |
16.256 Netze , 65.024 Hosts pro Netz |
| |
Privater Adressbereich | : |
172.16.0.0 - 172.31.255.255 |
| |
| |
/12 (255.240.0.0) |
|
| Class C : |
Netzadressbereich | : |
192.0.1.0 - 223.255.254.0 |
| |
verwendete Netzmaske | : |
/24 (255.255.255.0) |
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| |
2.080.768 Netze , 254 Hosts pro Netz |
| |
Privater Adressbereich | : |
192.168.0.0 - 192.168.255.255 |
| |
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/16 (255.255.0.0) |
Und hier eine Anwendung der Daten aus der Tabelle :
Wir suchen uns eine private Class-B Adresse aus ...
IP-Adresse 172.24.20.7 , Netzmaske 255.255.0.0 , Gateway 172.24.1.1
Die IP-Adresse des Gateways liegt innerhalb des Netzes der eigenen IP. Die ersten beiden Oktetts gehören zum
Netz und die beiden letzten Oktetts zum Hostanteil.
In den eigenen Netzen sollte man immer Adressen aus dem privaten Adressbereich verwenden. Wenn man
öffentliche IP-Adressen verwendet, wird man manche Server im Internet nicht erreichen können. Aber die
Erklärung werde ich bis zum Schluß aufheben.
Es begab sich zu einer Zeit ... (grins) da wurden die IP-Adressen im Internet immer weniger ...
Es waren nicht mehr genug Adressen vorhanden, um einfach mal ein Class-C Netz für ein Netzwerk mit 2 oder 5
PCs zu vergeuden. Also mußte man sich etwas ausdenken. Das Ergebnis nannte sich Subnetz-Masken und
Classless Interdomain Routing (CIDR - boah, was für ein Wort).
Es wurden einfach die Netzmasken von den starren Klassen getrennt. Man kann jetzt die Masken frei über die
Bits der Adresse verschieben. Wenn man wegen der kleineren Schreibarbeit gerne 10er Adressen verwenden will, aber
nur ein kleines Netz hat, so macht man die Netzmaske einfach entsprechend kleiner.
Beispiel:
IP.Adresse 10.0.0.3 Netzmaske 255.255.255.192 Default Gateway 10.0.0.1
Wenn man das nun in Binärzahlen auflößt, wird die Sache klarer ...
| 10 |
0 |
0 |
3 |
IP-Adresse Dezimal |
| 0000 1010 |
0000 0000 |
0000 0000 |
0000 0011 |
IP-Adresse Binär |
| 255 |
255 |
255 |
192 |
Netzmaske Dezimal |
| 1111 1111 |
1111 1111 |
1111 1111 |
1100 0000 |
Netzmaske Binär |
| 10 |
0 |
0 |
1 |
Default Gateway Dezimal |
| 0000 1010 |
0000 0000 |
0000 0000 |
0000 0001 |
Default Gateway Binär |
Die Netzmaske besteht also von vorne durchgehend aus Einsen und von hinten durchgehend aus Nullen. Wo sie sich
treffen, da ist die Grenze zwischen Host- und Netzanteil. Hier sieht man auch sehr gut, das die IP-Adresse und das
Default Gateway im Bereich der Einsen der Netzmaske absolut identisch sind. Das Gateway liegt ja auch im gleichen
Netz wie die eigene IP-Adresse.
Zwei Adressen aus einem Netz haben eine besondere Bedeutung. Am Beispiel mit der 10.0.0.3 ist das sehr gut zu
erkennen. Wenn man alle Bits im Host-Anteil auf 0 setzt, dan bekommt man die Netzwerk-Adresse (hier 10.0.0.0).
Sie wird bei Routen als Ziel angegeben (Routing folgt in einem weiteren Beitrag). Wenn man alle Bits im
Host-Anteil auf 1 setzt, dann bekommt man die Broadcast-Adresse für das Netz (Rundruf an alle - hier
10.0.0.63). Die Broadcast-Adresse wird zum Beispiel von Windows für die Suche nach anderen Windows-Rechnern
benutzt. Wenn man also eine falsche Netzmaske eingibt, so wird man außer seinem eigenen PC keinen anderen
sehen (mal abgesehen von der Ewigkeit, die Windows benötigt um überhaupt andere PCs zu finden ;-D ).
Noch ein Tip! Löst euch von der dezimalen Darstellung der IP-Adresse und denkt lieber in binärer Weise.
Dann ist das alles etwas verständlicher. Als Beispiel noch einmal ein paar Netze ...
Wir benutzen 172.25.0.0 und erzeugen mit Hilfe der Netzmaske 4 Netze mit jeweils 64 Adressen :
| |
Netz-Adresse |
brauchbare IPs |
Broadcast-Adresse |
Netzmaske |
| Netz 1 : |
172.25.0.0 |
172.25.0.1 - 172.25.0.62 |
172.25.0.63 |
255.255.255.192 /26 |
| Netz 2 : |
172.25.0.64 |
172.25.0.65 - 172.25.0.126 |
172.25.0.127 |
255.255.255.192 /26 |
| Netz 3 : |
172.25.0.128 |
172.25.0.129 - 172.25.0.190 |
172.25.0.191 |
255.255.255.192 /26 |
| Netz 4 : |
172.25.0.192 |
172.25.0.193 - 172.25.0.254 |
172.25.0.255 |
255.255.255.192 /26 |
Alles klar ?? Gut !
Hier noch ein paar Netzmasken:
| ....10.00000000 |
255.255.254.0 |
/23 |
512 Adressen |
| ....11.00000000 |
255.255.255.0 |
/24 |
256 Adressen |
| ....11.10000000 |
255.255.255.128 |
/25 |
128 Adressen |
| ....11.11000000 |
255.255.255.192 |
/26 |
64 Adressen |
| ....11.11100000 |
255.255.255.224 |
/27 |
32 Adressen |
| ....11.11110000 |
255.255.255.240 |
/28 |
16 Adressen |
| ....11.11111000 |
255.255.255.248 |
/29 |
8 Adressen |
| ....11.11111100 |
255.255.255.252 |
/30 |
4 Adressen (Transitnetze) |
| ....11.11111111 |
255.255.255.255 |
/32 |
1 Adresse (Hostmaske) |
Wenn jetzt noch die Frage aufkommt, was diese /8 /16 /24 /26 zu bedeuten haben - einfach mal die 1er-Bits der
Netzmaske zählen und schon ist es klar. Auf diese Weise spart man sich Schreibarbeit. Man spricht also bei
einer Netzmaske von 255.255.255.192 auch von einer 26er-Maske.
Nun nochmal zu den illegal verwendeten öffentlichen IP-Adressen:
Wenn man z.B. im eigenen Netz als Adressen den Bereich 217.45.26.1-254 Maske 255.255.255.0 benutzt, kann folgendes
passieren. Wir geben im Browser als Beispiel mal www.firma-xyz.de ein. Der Computer bekommt vom DNS-Server aus dem
Internet als IP-Adresse zu diesem Namen beispielsweise die Adresse 217.45.26.67 zurückgeliefert. Nun kann man
sich den Rest der Tragödie schon mit der Netzmaske selber ausrechnen. Der PC vermutet die Zieladresse vom Server
www.firma-xyz.de im eigenen Netz. Die Browseranfrage läft also ins Nirvana oder zu einem falschen Ziel.
Nun kommen bestimmt einige schlaue Leute und meinen mit einem Proxy das Problem zu lösen. Es gibt nun aber leider
nicht für alle Internet-Protokolle (Protokolle sind sowas wie z.B. HTTP, FTP, SMTP, ...) Proxy-Server. Auch mit
einem zweiten Router, der eine zweite Adressumsetzung (NAT - Network Address Translation) zuätzlich zu dem schon
vorhandenen NAT im Router für den Internetzugang macht, handelt man sich mehr Frust als Problemlösung ein.
Und noch ein Tip: Die IP-Adressen von Servern und Routern bündelt man im oberen oder unteren Bereich eines Netzes.
Also zum Beispiel 10.0.0.1-14 für Router und 10.0.0.240-254 für Server. Dazwischen liegen dann die normalen
PC-Arbeitsplätze. Oder man legt die einzelnen Abteilungen schon so im Adressbereich an, das man nachher mit anderen
Subnetzmasken und Routern die Abteilungen ohne die Umkonfiguration von 150-200 PCs (igitt - soviel Arbeit) trennen kann.
Sortierte Netze sind einfach übersichtlicher bei der Administration und sparen Arbeitszeit.
Merke! Eine vernünftige Netzplanung behütet einen vor Frust und einem Re-Design eines vollgestopften und in
Betrieb befindlichen Netzes (Sprich - Am Samstag ab 21 Uhr können sie das gerne mal für 4 Stunden
außer Betrieb nehmen). Also lieber zwei Stunden mehr planen als zwei Tage mehr arbeiten.
Einen Tip habe ich jetzt noch: Die Klassen werden heute nicht mehr verwendet! Also nicht stur nach den Klassen die
Planung der IP-Netze durchführen. Das geht schief. Wofür gibt es denn sonst Subnetze? Also zum Beispiel
für ein Transit-Netz zwischen zwei Routern (es werden nur 2 IPs benötigt) eine 30er-Maske verwenden.
Weitere empfehlenswerte Links :
Das sollte hoffentlich einigen Leuten bei der Netzkonfiguration helfen.
Erstellt am 27.07.2004
Wie ich festgestellt habe, wird diese Webseite sogar gelesen :-) und es wurden tatsächlich auch
Fehler gefunden. Dazu kann ich nur sagen: "Happy copy-and-paste" von den Tabellenzeilen ;-)
Habe ich wohl doch zu schnell geschrieben (war auch schon ziemlich spät).