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Wie ist euer Internet-Cafe entstanden? Wer hat dafür die Initiative ergriffen?
Unser Club trifft sich schon seit dem November 1997 in der Jugendfreizeitstätte Bückeburg. Ende
1998 fragten wir dort nach, ob es möglich sei, von Zeit zu Zeit eine Art Internet-Cafe anzubieten,
wofür wir unsere Rechner zur Verfügung stellen wollten. Die Angestellten fanden die Idee eines
Internet-Cafes gut und regten an, ob man daraus nicht eine ständige Einrichtung machen könne, mit
fest installierten Rechnern. Da war die Idee geboren und im Juni 1999 nahm das Internet-Cafe als
Kooperation der Stadt Bückeburg, des UJZ (Unabhängiges Jugendzentrum Bückeburg e.V.) und unseres
Computer-Clubs seinen Betrieb auf. Im Moment verfügen wir über 8 Surfrechner und einen DSL-Zugang
zum Internet und haben an zwei Tagen pro Woche geöffnet.
Wie viele Personen seid ihr im Computer-Club?
Im aktiven Kern, der so ziemlich regelmäßig an den Clubtreffen teilnimmt und auch aktiv mit hilft,
sind wir 2 Frauen und 11 Männer.
Wie finanziert ihr euch? Gibt es Zuschüsse von der Kommune oder von freien Trägern?
Zum Start haben wir einen Zuschuss der Stadt Bückeburg zur Hardwarebeschaffung bekommen, Ende 2001
gab es einen weiteren Zuschuss. Der laufende Betrieb und die Unterhaltung und Erweiterung der Rechner
werden durch die Einnahmen aus den Surfgebühren (1 Euro pro Stunde) und Spenden finanziert.
Wer spendet dem Club? Surfer oder auch Geschäftsleute aus der Gegend, werbt ihr für den Club und
dafür, dass gespendet wird?
Surfer geben gelegentlich etwas mehr als sie zahlen müssten oder spenden auch mal was für das
Internet-Cafe. Leute, die sich von unserem Club bei Problemen beraten lassen, geben was für die
Clubkasse. Hardwarespenden kommen sowohl von Privatpersonen als auch von Firmen, die sich inzwischen
schon teilweise an uns wenden, ob wir Hardware brauchen können.
Was waren eure inhaltlichen Vorstellungen? Gab und gibt es im Computerclub eine Konzeption
für die Arbeit?
Die ursprüngliche Idee war, Kindern und Jugendlichen, die keinen eigenen Zugang zum Internet haben,
günstig eine Zugangsmöglichkeit zu bieten. Dazu kam der Anreiz, die vielfältigen Möglichkeiten des
Internets zu demonstrieren und den Interessenten zu zeigen, dass der Computer zu mehr genutzt werden
kann, als nur am Rechner zu spielen. Dabei sollte vor allem die Kommunikation mit anderen Nutzern
des Internets (z.B. durch Chats) und auch anderen Besuchern des Internet-Cafes gefördert werden.
Dabei versuchen wir weitgehend, auf die diversen Altersgruppen und Interessen der Besucher einzugehen
und auch Anfängern das Internet nahe zu bringen.
Jungen mögen mehr Ballerspiele als Mädchen, dafür chatten Mädchen ausgiebiger als Jungen. Ist
das bei euch auch so und wie erklärst du dir diese Vorlieben? Und: Könnt ihr pädagogisch darauf
eingehen?
Spiele sind wirklich eindeutig bei Jungen beliebter, allerdings wird auch innerhalb dieser Spiele
oft gechattet. Ansonsten werden Chats von Mädchen und Jungen annähernd gleich oft genutzt. Wir
versuchen, wie schon gesagt, die Kommunikation zu fördern und demonstrieren dazu z. B.
Internet-Angebote, die noch nicht so bekannt sind. Gerade bei Chats z. B. gibt es ja die
verschiedensten Ausprägungen, von reinen Plauderchats bis hin zu streng themenbezogenen
ChatKanälen. Bekannt sind meistens nur einige große populäre Chats, in denen allerdings aufgrund
der Menge der Teilnehmer teilweise kaum noch vernünftige Unterhaltungen möglich sind. Wir versuchen
dann, interessante Alternativen aufzuzeigen.
Kannst du mir interessante Alternativen zu den populären Chats benennen?
Die Favoriten bei uns im Internet-Cafe sind www.chatfun.de,
das ist aber ein reichlich chaotischer »Laberchat«. In die gleiche Richtung geht
www.knuddels.de, der ist aber nicht so überrannt. Eine
unserer Empfehlungen ist www.chat4free.de, da gibt es
sehr, sehr viele unterschiedliche Chaträume, die sich an unterschiedliche Interessengruppen,
Altersgruppen, Regionen und so weiter wenden. Es kommen auch einige Sinti zum Chatten ins
Internet-Café. Die benutzen hauptsächlich den Zigeunerchat auf
www.zigo.de. Andere Seiten, die wir empfehlen, kann man auf der
Homepage unseres Internet-Cafes unter »Links« finden.
Wie geht ihr damit um, wenn Jugendliche Inhalte aufrufen, die als jugendgefährdend eingestuft
sind, also z. B. pornografische Seiten oder indizierte Spiele?
Wir erklären den Jugendlichen, warum wir den Aufruf dieser Seiten nicht dulden können und bitten
sie, diese Seiten zu verlassen und auch ähnliche Seiten nicht wieder aufzurufen. Von Fall zu Fall
suchen wir auch schon mal das Gespräch, was denn z. B, an Bildern von zerfetzten und verwesten
Leichen so interessant ist, dass sie diese Seiten unbedingt aufrufen wollen. Und oft ist es nur
Neugierde, weil man von Freunden davon gehört hat und es wird auch nicht wieder versucht, solche
Seiten aufzurufen.
Was haltet ihr von Kontrollsoftware? Ist das nicht eine Möglichkeit, die schlimmsten Angebote
von den Mädchen und Jungen fernzuhalten? Besonders wenn man an Kinder denkt, die noch nicht alles
sehen sollten, was es im Netz gibt. Wie macht ihr das? Oder dürfen Kinder bei euch nicht ins
Internet-Café?
Bei uns darf jeder ins Internet-Cafe. Kontrollsoftware lehnen wir allerdings inzwischen ab. Zuerst
hatten wir Kontrollsoftware im Einsatz und hatten neben technischen Problemen beim Aufruf
»harmloser« Angebote auch Probleme mit Jugendlichen, die gerade durch diese Sperren
erst recht gereizt wurden, zu versuchen diese Seiten aufzurufen. Der Gipfel war dann, als ein
Jugendlicher tatsächlich fast zwei Stunden lang versuchte, eine einzige gesperrte Seite
aufzurufen und sich auch durch unsere Aussage, dass die Seite gesperrt ist, nicht dadurch
abbringen ließ. Erst als wir dann das Gespräch suchten und ihm erklärten, dass wir den Aufruf
solcher Seiten nicht dulden können, da sie nun mal für Jugendliche nicht zugelassen sind und
wir massiven Ärger kriegen können, wenn solche Seiten doch aufgerufen werden und dass es doch
auch nicht in seinem Interesse liegen kann, wenn wegen so etwas das Internet-Cafe geschlossen
wird, wurde er einsichtig. Da sowieso immer Helfer von uns anwesend sind, die bei problematischen
Seiten eingreifen können, überlegten wir uns, es ohne Kontrollsoftware zu versuchen, allein schon
wegen der technischen Probleme. Statt dessen setzen wir auf eine Vertrauensbasis zu den Nutzern,
indem wir ihnen die Situation erklären und sie bitten, in ihrem eigenen und auch in unserem
Interesse solche Seiten nicht aufzurufen, da wir dies unterbinden müssen und sie halt im Extremfall
aus dem Internet-Cafe verweisen müssen. Nach den öffentlichen Surfzeiten kontrollierten wir dann
die aufgerufenen Seiten und siehe da: Das Konzept ging auf, die Besucher gingen darauf ein und
achten jetzt auch schon selbst mit darauf, dass an anderen Rechnern keine verbotenen Seiten
aufgerufen werden. Bis jetzt mussten wir noch keinen Besucher wegen des Aufrufs verbotener Seiten
aus dem Internet-Cafe schicken.
LAN-Parties sind zur Zeit in aller Munde. Habt ihr schon Erfahrung damit gemacht? Und könnt
ihr mir erklären, was der Reiz für die Jugendlichen bzw. Jungen dabei ist?
Wir veranstalten von Zeit zu Zeit kleinere LANParties für unsere Mitglieder und haben jetzt im
Februar unsere erste öffentliche Aktion durchgeführt und haben bisher sehr gute Erfahrungen damit
gemacht. Der Hauptreiz dürfte darin liegen, sich im sogenannten »real life« mit anderen Spielern
zu treffen, zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen und natürlich am Computer gegeneinander oder
auch miteinander zu spielen, denn dieses Gemeinschaftsgefühl und auch der Wettkampf mit Anderen
machen Spiele erst richtig interessant.
Ist euer Wunsch eigentlich, dass ihr mal pädagogisches Personal für das InternetCafe einstellen
könnt oder hat die Betreuung durch Nicht-Pädagogen System?
Die hauptsächliche Betreuung erfolgt durch ehrenamtliche Helfer, von denen auch einige eine
Jugendleiterausbildung absolviert haben. Darüber hinaus werden wir natürlich auch von den pädagogischen
Kräften des Jugendzentrums unterstützt, gerade wenn es z.8, um neue Angebote oder Konzepte geht.
Ansonsten hat die Betreuung durch Ehrenamtliche schon System, da dies unserer Meinung nach auch
viel zur ungezwungenen, lockeren Atmosphäre des InternetCafes beiträgt.
Wie genau sieht denn die Zusammenarbeit zwischen euch und den Mitarbeitern des Jugendzentrums
aus?
Es ist generell so, dass wir uns bei allen Sachen, die beim Angebot des Internet-Cafés geändert
werden sollen, mit den Fachkäften abstimmen, also wenn es z.B. um zusätzliche Öffnungszeiten geht,
ob Netzwerkspiele angeboten werden sollen und ähnliches. Auch Sonderaktionen werden mit den
Fachkräften geplant. So war z. B. vor kurzem eine Übernachtungs-Aktion geplant, bei der die
Teilnehmer unter anderem auch im Internet-Café chatten konnten. Leider musste die Aktion
dann ausfallen, da sich nicht genügend Teilnehmer gemeldet hatten.
Nochmal eine Frage nach Konzepten. Gibt es welche? Wie stimmt ihr euch ab?
Mit Konzepten meinte ich solche Fragen wie z.B. ob auch Netzwerkspiele angeboten werden sollen,
ob man die maximale Surfzeit begrenzen soll. Generelle schriftliche Konzepte gibt es nicht.
Erstellt am 02.06.2002
| Artikel: | Stefan Götz, Andrea Urban, Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen |